Deckname Annelies: Helene Jäger als Illegale

Januar 9th, 2017

Einen lebendigen, wenn auch nicht unbedingt objektiven Eindruck über die illegalen Aktivitäten des BDM und auch von Helene Jäger erhält man in dem nach dem Anschluss erschienen Erlebnisbericht der Gebietsmädelführerin von Österreich, Herta Weber-Stumfohl: „Ostmarkmädel: ein Erlebnisbuch aus den Anfangsjahren und der illegalen Kampfzeit des BDM in der Ostmark“.

Weber-Stumfohl hat Anfang der 30er Jahre eine Mädelgruppe in Hietzing geleitet und könnte dort Helene Naber-Binder, spätere Helene Jäger, kennengelernt haben. In der als Tagebuch aufgebauten Veröffentlichung notiert sie unter „28. November 1936, In Berlin“:

„Nebenbei führe ich einen brieflichen Kampf, um mir eine Führerin für Niederösterreich zu holen. Helli-Naber-Binder musste mit ihren Eltern im Vorjahr flüchten und sitzt jetzt in Königsberg und arbeitet am Obergau. Sie ist mit ihren neunzehn Jahren ungewöhnlich energisch, selbständig und klug, und ich halte sie für geeignet, aus Niederösterreich, das gleichsam leblos und stumpf dahinbrütet, wieder regsame, kampfesfrohe und lebendige Mädel herauszufinden.“ (S. 132)

Die Angaben zum Aufenthalt Helenes stimmen mit den uns aus dem Anmeldebogen für den Beitritt zur NSDAP bekannten überein.

Am „31. Januar 1937“ kann Stumfohl berichten:

„In Mauer bei Wien habe ich die Niederösterreichischen Führerinnen zusammengeholt, um ihnen ihre neu ernannte illegale Untergauführerin zu bringen. Helli Naber-Binder ist also endlich, sogar mit Zustimmung der Eltern, nach Österreich zurückgekommen. Als ‚Annelies‘ stelle ich sie der Führerinnenschaft Niederösterreichs vor. Ich glaube fest daran, dass nun ein Arbeitsabschnitt voll Schwung und Erfolg für diesen Untergau beginnen wird.“ (S. 147)

Der Tarnname „Annelies“ kommt nicht von ungefähr, heißt Helene doch mit ihren weiteren Namen „Anna Lisa“. Stumfohl bleibt in ihren weiteren Erwähnungen überaus begeistert von Helene, immer wieder hebt sie ihren besonderen Einsatz hervor:

„11. bis 12. August 1937, Lager in Niederösterreich
[…]Bei den organisatorischen Besprechungen kann ich mich selbst davon überzeugen, dass Annelies ihren großen Untergau schon regelrecht ‚durchgeackert‘ hat. Zu Fuß und zu Rad – dann oft fünfzig bis sechzig Kilometer im Tag, hat sie es zuwege gebracht, ganz Niederösterreich zu durchfahren. Dabei ist sie immer die fröhlichste unter ihren Mädeln.“ (180f.)

Ausschnitt aus "Ostmarkmädel", S. 145

Im September 1937 ist Helene Jäger mit dabei beim Reichsparteitag in Nürnberg und wird dort wie alle Gauleiterinnen dem Führer persönlich vorgestellt (S. 193). Sie gehörte also in dieser Zeit sicher zum inneren Kreis des illegalen österreichischen Nationalsozialismus.

Helene Jäger, Obergauführerin

Januar 7th, 2017

Der erste Hinweis, dass Frau Jäger nicht nur die Gattin eines hohen NSDAP-Funktionärs war, sondern selbst aktive Nationalsozialistin, kam bereits aus dem Familienbuch des Standesamtes Weissenkirchen, wo sie als "BDM-Führerin Helene Anna Lisa Naber" eingetragen ist.

In den Zeitungen der Zeit erscheint als Gauführerin von Niederdonau aber nicht Helene Naber, sondern eine Helli Naber-Binder. Zur weiteren Verwirrung trägt bei, dass in "Totale Erziehung für den totalen Krieg: Hitlerjugend und nationalsozialistische Jugendpolitik" von Michael Buddrus auf Seite 1191 folgende fehlerhafte und irreführende Kurzbiographie angeführt wird:

"NABER-BINDER, HILDEGARD
geb. am 7.4.1887 in Brünn; [...] im damaligen HJ -Obergebiet Österreich 3/1938 zur Untergauführerin befördert; 4/1939 zur Gf. befördert und zur kommissarischen Führerin des BDM-Obergaues Niederdonau in Wien ernannt; 12/1940 als Führerin des Obergaus entlastet und ehrenvoll aus dem BDM entlassen."

Erst der Gang zum Archiv der Republik und die Einsicht in die sogenannten Gauakten brachte die Aufklärung. Das Konvolut zu Helene Jäger beinhaltet neben vielem anderen auch ein Dokument des Reichskarteiamtes vom 14. Dezember 1944, in dem bestätigt wird, dass der Name der unter NSDAP-Mitgliedsnummer 6193140 geführten Parteigenossin von Naber-Binder Helli, geb. 28.6.1917, auf Helene Jäger abgeändert und berichtigt wurde. 

Es ist festzustellen, dass Helene Jäger wohl nie amtlich Helli Naber-Binder geheißen hat. Es ist so, dass sich ihre Mutter Helene, geb. Schnabl, von Anton Naber scheiden ließ und später wahrscheinlich nach einer neuerlichen Ehe den Namen Binder führte, die Tochter ohne amtliche Bestätigung sich dann Naber-Binder nannte und ihren Rufnamen Helli in Parteiangelegenheiten verwendete.

Ein Beispiel ist dafür der "Personal-Fragebogen" zur Aufnahme in die NSDAP, den sie nach Anschluss Österreichs am 28. Mai 1938 in St. Pölten ausfüllte:

Familienname: Naber-Binder
Vorname: Helli
Geburtstag: 28.6.17    Geburtsort: Wien
Verheiratet: nein
...
Beruf:  Führerin d. Obgaues 28
Welche Stellung bisher bekleidet? Untergauführerin
Schulen, Lehrgang, Studium: 7 Kl. Realgymnasium, dann Ausschluss aus der Schule wegen n.s. Betätigung

Ausschluss wegen nationalsozialistischer Betätigung? Ja, Helene Jäger ist keine Mitläuferin gewesen, sie war eine äußerst aktive und idealistische junge Führerin, schon lange vor dem Anschluss und zu einer Zeit, wo sie für ihre illegale Betätigung enorme negative Konsequenzen in Kauf nahm.

Im angeführte Personalbogen stehen erste Auskünfte:

Bei welcher Gliederung [...] machten Sie Dienst:

B.D.M.

Welche Funktionen haben Sie in der illegalen Zeit ausgeübt?

1933 Eintritt, 1934 selbst Scharf[ührerin], 1935  Gruppenf. Jänner 37 - März 38 Untergauführerin

Sind Sie wegen illegaler nationalsozialistischer Betätigung bestraft worden?

Ja

Welche Strafen habenSie erlitten:

2 Wochen Kommissariat Schmelz, 1 Woche Polizeigefangenenhaus Elisabethpromenade

Mussten Sie wegen Ihrer illegalen Tätigkeit ins Altreich flüchten?

ja

Genaue Gründe:

Durch die illegale Betätigung meiner Eltern

Wann erfolgte die Flucht: 

Juli 1935

Wo hatten Sie Ihren Aufenthaltsort:

Königsberg i.Pr.

Wo und als was waren Sie tätig:

Als Mitarbeiterin im Obergau Ostland, Abt. G.A. [Gesundheitabteilung]

[...]

Angaben des Antragstellers über sonstige Tätigkeit für die NSDAP:

Durch die illegale Betätigung meiner Eltern musste ich mit ihnen im Juli 1935 ins Altreich flüchten, kehrte aber im Jänner 1937 wieder nach Österreich zurück, und führte ab dann den Untergau N.Ö.
Von Okt. 35 - April 36 war ich im Frauenarbeitsdienst, im Arbeitslager Kempten i. Allgäu. (Arbeitsdienstzeugnis Nr. 1997)

Nach Bestätigung ihrer Angaben durch die zuständige Stelle des HJ-Obergebietes Österreich und einer Befürwortung durch den Speisinger Ortsgruppenleiter wurde Helli Naber-Binder in die NSDAP aufgenommen.

Als Abschluss dieses Beitrages möchte ich gerne noch ein erstes Bild unserer Gauleiterin bieten, nachdem die Identität von Helene Jäger mit Helli Naber-Binder feststeht: 

 Kleine Volks-Zeitung 26. November 1938

Quelle: Kleine Volks-Zeitung, 26. November 1938, S. 8

Roman Jäger - vermisst, für tot erklärt.

Januar 6th, 2017

Roman Jäger war schon von Juli 1939 bis November 1940 im aktiven Wehrdienst und dabei im Feldzug gegen Frankreich von 13.10.39 bis 7.9.40 eingesetzt gewesen. Ab November 1940 bekam er eine sogenannte UK-Stellung als hauptamtlicher politischer Leiter bewilligt, welche aber im Frühling 1944 aufgehoben wurde, sodass er sich am 12. April desselben Jahres wieder als Leutnant der Reserve bei der Division Nr. 177 in der Wiener Metternichgasse zum Kriegsdienst melden musste. 

Über das Grenadier-Ersatz- und Ausbildungs-Bataillon 1/134 in Brünn kam er an die Ostfront, die bereits von der Roten Armee bis an die Ostgrenze der Slowakei zurückgedrängt worden war. Zuletzt war Jäger mit Feldpostnummer 24522 beim Grenadier Regiment 946, das wiederum zur 357. Infanterie-Division gehörte. 

Im Zuge der äußerst schweren Abwehrkämpfe am Dukla-Pass (Ost-Beskiden) wurde Roman Jäger ab 22. September vermisst, eine entsprechende Meldung des Kommandanten Oberst Heino Freiherr von Künsberg stammt vom 1.11.1944.

Am 3. September 1954 beantragt Helene Jäger "als Ehefrau zum Zwecke der Wiederverehelichung die Einleitung des Verfahrens zur Todeserklärung" beim Bezirksgericht Bad Ischl. Dabei gibt sie an, dass die letzte Nachricht von ihrem Mann vom 19. September 1944 stamme, diese aber nicht mehr auffindbar sei.

Das Verfahren wird nach Wien verlagert, da der letzte Wohnort des Vermissten im ersten Wiener Gemeindebezirk, Spiegelgasse 13, gewesen ist.

Im April 1955 erklärt das Landesgericht für ZRS Wien mit Aktenzahl 48T1374/54 - 16 Dr. Roman Jäger für tot. Das Todesdatum wird mit 22. September 1944 festgesetzt, rechtskräftig wird der Beschluss mit 16. Juni 1955.

Zur Frage, ob Jäger vielleicht das Schlachtgetümmel nutzte, um unterzutauchen und sich abzusetzen, kann nichts Abschließendes gesagt werden. Es erscheint jedoch äußerst unrealistisch, dass jemand sich aus so einer Schlacht wie der um den Dukla-Pass hätte davonstehlen können.

Helene Jäger - Frau des Gauleiters Roman Jäger?

Januar 4th, 2017

Die Firma Helene Jäger in Weitra ist immer noch über die Bezirksgrenzen weit hinaus bekannt. Laut eigenen Angaben wurde sie im Jahr 1957 im Salzkammergut gegründet und 1962 nach Weitra übersiedelt. Zu den besten Zeiten waren Dutzende Heimarbeiterinnen mit der Herstellung kunstgewerblicher Feinflechtarbeiten beschäftigt und die Erzeugnisse wurden im In- und Ausland verkauft.

Über die verstorbene Gründerin der Firma, Helene Jäger, geht die Legende, dass ihr Ehemann der Gauleiter und spätere Gauschulungsleiter von Niederdonau, Roman Jäger, gewesen sein soll. Und dass dieser nicht aus dem Krieg zurück gekommen und verschollen sei. Manchmal rankt sich auch noch die Frage dazu, ob er vielleicht gar nicht wirklich gefallen, sondern wie andere Nazigrößen gar nach dem Krieg Richtung Südamerika abgetaucht sein könnte.

Wir wollen der Geschichte nachgehen und besuchen Archive, stöbern in alten Büchern und sekkieren das Internet.

Im Familienbuch des Standesamtes Weissenkirchen an der Donau erhalten wir die erste Auskunft: hier wurde am 18. Dezember 1940 die "BDM-Führerin Helene Anna Lisa Naber", gottgläubig, geboren am 28. Juni 1917 in Wien, mit dem "Gauamtsleiter Dr. Roman Jäger", ebenfalls gottgläubig, geboren am 24. Oktober 1909, verheiratet!

Die genannte Helene Naber ist schon auf den ersten Blick ident mit der uns bekannten Helene Jäger, da eines der eingetragenen beiden Kinder mit der uns bekannten Nachfahrin und späteren Firmenchefin übereinstimmt. 

"Gottgläubig" wurde in der NS-Zeit als religiöses Bekenntnis eingesetzt, wenn der Betreffende aus der Kirche ausgetreten war, aber sich selbst nicht als Atheist empfand. Es waren also beide aus der katholischen Kirche ausgetreten.

Dr. Roman Jäger wiederum ist von den Lebensdaten her ident mit dem bekannten hohen NSDAP-Parteifunktionär, dem folgender Wikipediaeintrag gewidmet ist:

Roman Jäger (* 24. Oktober 1909 in Weißenkirchen in der Wachau (Niederösterreich); verschollen seit dem 22. September 1944 bei Vydrau, Slowakei) war ein nationalsozialistischer Jurist und seit 1938 Mitglied des nationalsozialistischen Reichstags.
Leben
Jäger war Sohn einer Weinbauernfamilie und bezeichnete sich in seiner Vita 1938 als römisch-katholisch. Nach Besuch der Volksschule in Weißenkirchen und der Gymnasien in Seitenstetten und Krems an der Donau begann er in Wien das Studium der Rechtswissenschaften und promovierte 1934. Sein weiterer beruflicher Werdegang wurde durch seine politischen Aktivitäten beeinträchtigt: Nach wenigen Monaten der Tätigkeit am Bezirksgericht von Spitz an der Donau wurde er „als des Vertrauens unwürdig“ entlassen und war danach im elterlichen Wirtschaftsbetrieb tätig.
Seit 1924 war er in der Nationalsozialistischen Arbeiterjugend, einem Vorläufer der Hitlerjugend, tätig. Ab 1929 trat er als Parteiredner auf. Am 24. Juni 1931 trat er in die NSDAP ein. 1932 war er Funktionär im NSDStB und 1933 wurde ihm die jugenderzieherische Tätigkeit untersagt, die er als Gaujugendturnwart ausübte. Wegen seiner politischen Aktivitäten war Jäger vom August bis Oktober 1933 inhaftiert. Später war er Kreisleiter im Waldviertel und wegen seiner politischen Aktivitäten im Frühling 1936 flüchtig, inhaftiert und im Juli amnestiert. Ein späterer Eintrag im Reichstagshandbuch gibt für 1937 an, Jäger sei in diesem Jahr bereits Gauschulungsleiter und sogar Gauleiter gewesen. Im März 1938 wurde Jäger zum SA-Standartenführer ernannt. Abermals war er 1938 bis zur Amnestie flüchtig. Nach dem „Anschluss“ Österreichs war er für kurze Zeit Gauleiter von Niederdonau, später Landeshauptmann von Niederösterreich und Kreisführer des Reichsbundes für Leibesübungen. Seit 1938 gehörte Jäger dem Reichstag an.
Von Mai 1938 bis 22. September 1944 war er Gauschulungsleiter der NSDAP im Gau Niederdonau. Mit größter Wahrscheinlichkeit ist Jäger bei den Kämpfen um die Beskidenpässe im Osten der Slowakei im September 1944 als Leutnant der deutschen Wehrmacht umgekommen. (de.wikipedia.org, abgerufen am 4.1.2016)

Zwei nachträgliche Eintragungen zieren den Rand des Familienbuches: 

Als Trauzeugen wurden auf Anordnung des Amtsgerichtes Krems nachgetragen: Der Major außer Dienst, Gaupersonalamtsleiter Theodor Holerius, 55 Jahre alt, und der Leiter der Gauschulungsburg Jaidhof, Josef Bründl, 30 Jahre alt. Bemerkenswert ist, dass nicht Eltern oder andere Familienmitglieder, sondern hohe Parteifreunde als Trauzeugen auftraten.

Der weitere Eintrag bringt uns greifbare Daten zum zweiten Teil der Legende, der auch in Wikipedia angesprochen wird: 

Weißenkirchen in der Wachau, am 23. Juli 1955.
Durch rechtskräftigen Beschluss des Landesgerichtes Wien vom 16.6.1955 G.Z. 48T 1374/54-16 ist der Ehemann Doktor Roman Jäger für tot erklärt worden. Als Zeitpunkt des Todes ist der 22. 9. 1944 festgestellt. Die Todeserklärung ist bei dem Standesamt Innere Stadt - Mariahilf unter Nr. 2127/55 beurkundet worden. Der Standesbeamte Fröhlich.

Den betreffenden Akt finden wir im Landesarchiv Wien. Mehr dazu dann im nächsten Blogeintrag. Für diesmal begnügen wir uns damit, endgültig den Beweis gefunden zu haben, dass die Geschichte mit Helene Jäger und dem verschollenen Gauleiter keineswegs nur ein Gerücht ist.

Die Hügelgräber im Wald von Reichenbach bei Litschau

November 9th, 2013

Knapp vor Litschau, auf dem westlichen Abhang des Kreuzberges, liegen im Wald drei merkwürdige Hügel wie an einer Schnur ausgerichtet. Im Geländescan des NÖ-Atlas heben sie sich deutlich wie Knöpfe einer Weste vom Waldboden ab:


(Quelle)

Verlängert man die Gerade nach Osten, so scheint nach etwa zwei Streckenlängen sich noch ein weiterer Hügel befunden zu haben.
So sehen die Hügel vor Ort aus:


Westlicher Hügel
 
Mitte
 

Östlicher Hügel

Was sind das nun für Bodendenkmäler? Die Forschung geht von slawischen Grabhügeln aus, die im frühen Mittelalter angelegt worden sind. Es handelt sich um die ältesten Spuren menschlicher Besiedlung in unserem Bezirk! Diese archäologischen Kostbarkeiten sind derzeit  vollkommen ungeschützt. Der mutmaßliche vierte Hügel im Osten dürfte kürzlich von einem Harvester zerwühlt und verwüstet worden sein. Auch die drei großen Hügel könnten jederzeit von einem unkundigen Holzarbeiter mit einer Holzerntemaschine in Sekunden zerstört werden! Es befindet sich an Ort und Stelle kein noch so geringer Hinweis auf den Wert dieser Bodendenkmäler!

Ohne die Geländekarte von atlas.noe.gv.at hätte ich die Hügel nicht gefunden. Bei Suchanfragen im Internet stößt man auf ein denkmalgeschütztes "Hügelgräberfeld Hauslüss", das aber ein gutes Stück entfernt von den wirklichen Grabhügeln liegen soll. Leider hatte ich nicht die Zeit, dort vorbeizuschauen, ob dort vielleicht noch weitere Hügelgräber zu finden sind. Mir scheint es sehr wahrscheinlich, dass selbst das Denkmalamt nicht weiß, wo die Gräber wirklich liegen. In der Liste "Niederösterreich: unbewegliche und archäologische Denkmale unter Denkmalschutz" des Bundesdenkmalamtes findet sich in der Katastralgemeinde Reichenbach (KG Nr. 07123) ein "Gräberfeld (ohne Datierung), Hügelgräberfeld Hauslüss", welches sich auf einem Grundstück mit der Nummer 214 befinden soll. Die von mir gefundenen Hügel liegen aber eindeutig auf Grundstück Nr. 218.

Die Beschreibung der Grabhügel in der "Heimatkunde des Bezirkes Gmünd" von 1986 bestärkt mich in der Auffassung, am richtigen Ort gewesen zu sein:

"In Reichenau bei Litschau liegen am linken Ufer des Föhrenbaches, dessen tief eingeschnittenes Tal hier den Namen 'Höllgraben' führt, vier slawische Hügelgräber. Es sind insgesamt vier Hügel. Drei davon haben einen Durchmesser von 9-11 m und eine Höhe von 1,6 m, der vierte ist großteils eingeebnet. Sie wurden im Jahre 1933 oberflächlich untersucht. Zuerst erfolgte die Erschließung des am besten erhaltenen Hügels durch einen breiten Graben bis zum gewachsenen Boden. Von diesem Graben wurden dann einige Suchgräben seitwärts bis zum Rand gezogen. Bei dieser Arbeit fand man kleine Scherben von Freihand-Gefäßen, die ohne jede Verzierung sind. Ferner fanden sich, durch den ganzen Hügel verteilt, zahlreiche Kohlen- und Knochenstückchen. Ungefähr in der Mitte, auf dem gewachsenen Boden, fand sich der Leichenbrand, das heißt, eine Brandschichte aus Kohle und Asche von 8 cm Stärke mit einem Durchmesser von ungefähr 20  cm [Im Originalbericht sind es 70cm!]. Ähnlich wurden auch, soweit es die dort stehenden Bäume erlaubten, die anderen Hügel untersucht. Auch in diesen fanden sich Kohlen- und Knochenstückchen, aber die Brandschichte konnte nicht mehr einwandfrei festgestellt werden." (S.43)

Die hier zitierte Beschreibung bezieht sich auf einen Bericht von Rupert Hauer aus dem Jahre 1933, den Sie online lesen können: Die Hügelgräber von Reichenbach bei Litschau.

Interessant wäre, ob die Gefäßscherben noch irgendwo gelagert sind. Man könnte dann mit heutigen Methoden ihr Alter eindeutig feststellen!

Falls Sie die Hügel besuchen wollen, hier die Koordinaten: Ost 15,04986°, Nord 48,91816°. Sie wissen ja, es führt sie keinerlei Hinweis sonst zu den ältesten Zeugen der Geschichte in unserem Bezirk!