Kategorie: "Alois Schicklgruber"

Johann, der Ältere

August 10th, 2023

In dem Blogbeitrag "Diese Drei machen aus Schicklgruber Hitler" schrieb ich noch, dass für den Zeugen Johann Breiteneder zwei Personen in Frage kämen. Nach Einsicht in das Lagalisierungs-Protokoll ist es nun eindeutig: Zeuge war der ältere, aus Spital Nr. 47 Kommende:

Johann, der Ältere

Johann "Broadneder", Kleinhäusler und Weber, ist 1800 auf Spital 47 geboren und 1886 als Armenhauspfründler auf Spital 41 gestorben.
Sein Vater war Martin Breiteneder (1774-1859), seine Mutter Maria (1774-1816) eine geborene Ledermüller. Ihr Vater und der Großvater Anton Ledermüllers, des Lehrherrn Alois Schicklgrubers, sind Brüder gewesen.
Zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des notariellen Schreibens war Johann B. 76 Jahre alt. Seine Signatur unter dem Legalisierungsprotokoll wirkt jedoch äußerst jugendlich:

Johann, der Ältere

 

Adoption der großjährigen Anna Glasl und deren Kind Joseph Glasl

August 8th, 2023
Adoption der großjährigen Anna Glasl und deren Kind Joseph Glasl

Symbolbild

Ich konnte heute im Salzburger Landesarchiv eine besondere Mappe einsehen. Es handelte sich um Akten des aufgelassenen Bezirksgerichtes Radstadt, die seit mehr als 160 Jahren in aller Stille darauf warteten, geöffnet zu werden!

"Registraturs Act X1. 1860

Gegenstand: Hörer Joseph Zolleinnehmer in Radstadt und Maria um Bewilligung der Adoption der großjährigen Anna Glasl und deren Kind Joseph Glasl."

Als wären sie erst gestern geschlossen worden, las ich auf gefalteten, mit Feder und schwarzer Tinte beschriebenen Bögen, was viele gerne früher gelesen hätten. Anfang Mai hatte ich beim Salzburger Landesarchiv angefragt. Der finale Fund ist ist dem besonderen Eifer und Wissen einer Mitarbeiterin des Landesarchivs Salzburg zu verdanken.

In kurzen Worten der Inhalt der vielen Seiten:

Im Jahr 1860 erst entschlossen sich Josef und Maria Hörer, zuerst die großjährige Anna Glasl und gleich darauf auch deren minderjährigen Sohn Josef zu adoptieren.

Josef Hörer, geboren 1793 in Linz, war im 67. Lebensjahr, seine Frau Maria, geborene Damberger, war 1796 in Engelhartszell zur Welt gekommen und daher im 64 Lebensjahr.

Von Anna Glasl ist Schicklgruber/Hitler-Biografen eine Taufurkunde bekannt: Geburt im Jahr 1823 in Theresienfeld bei Wiener Neustadt als Tochter des Steuereinnehmers ("Tabak- und Stempelgefällaufseher") Josef Glasl und seiner Frau Elisabeth, geborene Pfündl.

Die Adoption wurde genehmigt, da der Altersunterschied groß genug war und die Hörer keine eigenen Kinder hatten und aufgrund ihres Alters auch keine mehr bekommen konnten.

Aus den Akten erfährt man, dass das Paar Josef und Maria Hörer die kleine Anna schon mit etwa 8 Jahren zu sich nahmen, als deren Eltern im Jahr 1831 Opfer der damaligen großen Choleraepidemie wurden. Sie starben in Rohrau bei Bruck an der Leitha. Die Stadt war zur Abwehr der Seuche zu der Zeit militärisch zerniert, heute würde man sagen, sie stand unter Quarantäne.

Gleich nach der Bewilligung der Adoption Annas suchten die Adoptionseltern auch um die Erlaubnis an, deren unehelich 1851 in Radstadt geborenen Sohn Josef Glasl adoptieren zu dürfen. Dies wurde ebenfalls vom "hochlöblichen kk Landesgericht zu Salzburg" 1860 bewilligt. Josef Glasl war von Geburt an in der Obsorge des Paares gewesen, Josef Hörer war der Vormund des vaterlosen Kindes.

Somit ist alles geklärt.

Ich habe endlich den vorehelichen Namen Maria Hörers erfahren: Damberger. Damit ist definitiv sicher, dass ein schon länger gefundener Trauungseintrag tatsächlich die beiden Adoptiveltern betrifft. Sie heirateten am 22 September 1822 in Wien in der Kirche St. Augustin im ersten Bezirk. Er war damals "Musicus", sie Köchin, beide lebten in derselben Pfarre.

Bisher war nicht klar, wie Anna Glasl und das Ehepaar Hörer überhaupt zusammen kamen. Nun ist plausibel, dass der Vater von Anna ein Kollege des Josef Hörer war. Vielleicht lässt sich dazu noch ein Beleg finden. Und wir wissen nun auch, welch tragisches Ende die Eltern von Anna gefunden haben. Ich konnte bisher keine Sterbeeinträge für die beiden finden. Jetzt genügte ein Blick in die Sterbematrikel von Rohrau, Jahr 1831: Mutter Katharina [so!] Glasl, kk. Aufsehersfrau, starb am 2. August an Cholera, Vater Josef Glasl, kk. Aufseher, am 9. August, zusammen mit vielen anderen an diesem Tag.

Soviel dazu heute, geschrieben auf der Fahrt im Zug von Salzburg heim nach Wien.

Übrigens, 36 Kreuzer in Stempelmarken mussten damals bei jeder Eingabe an das Gericht geklebt werden.

prinzeps proudly presents: Legalisirungs-Protocoll Alois Hitler

August 7th, 2023

Obwohl alle Biografen es erwähnen, wird das Protokoll nie wiedergegeben. Ich hatte von einer Fotokopie in einer alten Doktorarbeit gehört und diese betreffende Dissertation heute ausgehoben: Karl Merinsky, Das Ende des Zweiten Weltkrieges und die Besatzungszeit im Raum von Zwettl in Niederösterreich (Wien 1966).

Hier einmal kommentarlos diese Kopie aus dem Anhang dieser schmalen Aebeit:

prinzeps proudly presents: Legalisirungs-Protocoll Alois Hitler

Das Original soll sich im Niederösterreichischen Landesarchiv befinden.

 

Eine Spitalerin, Nichte von Anton Ledermüller, ging nach Amerika. Und nicht nur sie!

August 5th, 2023

Wie im letzten Eintrag beschrieben, schwören drei Männer am 6. Juni 1876 in Weitra beim Notar, dass der Georg Hiedler, lange selig, der Vater des Alois Schicklgruber gewesen sei. Zwei davon gehören nahe zur Familie Ledermüller in Spital Haus Nr. 28!

Der Schustermeister Anton Ledermüller ist - wie wir wissen - der Lehrherr von Hitlers Vater 1850 bis 1852. Wie sind die "Hitler"-Zeugen nun mit ihm verwandt? Die Schwester des Schustermeisters, Josefa, heiratete im Jahr 1831 den Webergesellen Josef Pautsch aus Spital 16. Der eine Zeuge, Engelbert Pautsch, ist ein Sohn der beiden! Der zweite Zeuge, Johann Breiteneder, ist durch seine Heirat mit Tochter Theresia ein Schwiegersohn der beiden! 

Im Zuge der Erkundigungen zu den beiden Zeugen bin ich auf die Geschichte einer weiteren Tochter von Josef Pautsch und Josefa, geb. Ledermüller, gestoßen. Und die ist nicht weniger spannend! Sie führt uns in die bis heute unerforschte Geschichte der Waldviertler Auswanderung am Ende des 19. Jahrhunderts nach Amerika!

Diese Schwester bzw. Schwägerin der Hitler-Zeugen heißt Juliana Pautsch und ist 1839 auf Spital 16 geboren. Sie geht als Erwachsene nach Wien Erdberg, in welchem Bezirk auch die Spitaler Prinzen wohnen. Mit 30 Jahren heiratet die nunmehrige Handarbeiterin dort in der Kirche St. Peter und Paul den fünf Jahre jüngeren Tagelöhner Franz Brunner (in der Matrik "Bruner"), der von einem Weber Franz Brunner senior aus Pürbach bei Schrems stammt. Die Kinder des Ehepaares werden:

Juliana (später Julia) Brunner: * 18. Mai 1870, Dietrichgasse 23

Josefa (Josephine, Josie) Brunner: * 29. Februar 1872, Strozzigasse 47 (8. Bezirk, gute Adresse)

Franz Josef (Frank J.) Brunner: * 22. September 1874, Palmgasse 6 (Nähe Westbahnhof)

Alois (Louis) Brunner: * 18 Jänner 1877, Palmgasse 6

Die Buben Franz und Alois sehen für's erste ihre Großeltern väterlicherseits nicht. Diese sind nämlich im März 1872, gleich nach der Geburt von Josefa, nach Bremen aufgebrochen, um dort die große Reise über den Atlantik nach Amerika anzutreten. Von der Familie Brunner reisen: Die Großeltern Franz (53) und Anna (54) Brunner, die Tante Maria (21) und alle Onkeln, die da wären: Ferdinand (18), Anton (14), Josef (25) und Johann (34). Die Reihenfolge ist hier dieselbe, wie in der Passagierliste des Dampfschiffes Hannover, welches am 28. Mai 1872 New York erreichte.

Wie ein Kollege unter den Ahnenforschern, Friedrich Hafner, festgestellt hat, fahren mit den Brunnern auf der SS Hannover noch an die 50 Waldviertler aus unsrer Gegend mit. Sie stammen etwa, wie die Brunners, aus der Pfarre Langschwarza, aber auch aus Kleedorf, Ullrichs, Lembach usw.

Die Tante Josefa heiratete 1869 den Vogler Josef aus Hoheneich und folgt der Familie im Jahr 1878.

Wie es aussieht, bleibt von der Brunnerschen Verwandschaft nur die älteste Tante Walpurga "zu Hause" in Wien. Sie hat dort schon 1863 in Erdberg den aus Hoheneich stammenden Gärtner Franz Haider geheiratet. Sie wäre bei der Reise der Eltern 33 Jahre alt gewesen.

Als Julianes und Franzens Jüngster, Alois, fünf Jahre geworden ist, machen sie sich zusammen mit allen vier Kindern, so wie die anderen vor zehn Jahren, auf den Weg nach Amerika. Sie reisen im Sommer 1882 nach Bremen und gehen an Bord der SS Hermann. Das Schiff geht nicht nach New York, sondern nach Baltimore, wo sie am 14 Juli 1882 ankommen.

Eine Spitalerin, Nichte von Anton Ledermüller, ging nach Amerika. Und nicht nur sie!

In der Passagierliste sind sie als Familie Brammer geführt, deswegen waren sie nur durch tagelanges, händisches Suchen zu finden!

Eine Spitalerin, Nichte von Anton Ledermüller, ging nach Amerika. Und nicht nur sie!

So wie bei allen Verwandten, liegt das Land ihrer Hoffnung noch mehr als 1000 Meilen von Ihrem Ankunftshafen entfernt: in Wisconsin, das westlich der Großen Seen im Nordosten der USA liegt.

Wir werden sehen, dass es dort in bestimmten Regionen richtige Waldviertler Gegenden gibt.

Eine Spitalerin, Nichte von Anton Ledermüller, ging nach Amerika. Und nicht nur sie!

Anzeige in der Wiener Morgen-Post 1872. Wer konnte da hierbleiben?

Eine Spitalerin, Nichte von Anton Ledermüller, ging nach Amerika. Und nicht nur sie!

So in etwa sah die Hermann aus.

 

 

Diese Drei machen aus Schicklgruber Hitler

August 1st, 2023

Am 6. Juni 1876 bezeugen drei Männer aus Spital beim Notar Penkner in Weitra, dass Georg Hitler (1792-1857, Familienname sonst üblich als Hiedler, Hüttler, Hirdler usw. geschrieben) der leibliche Vater des Alois Schicklgruber gewesen sei. Am nächsten Tag trägt daraufhin der Döllersheimer Pfarrer die posthume Legitimierung ins Taufbuch ein. Der Zollbeamte Schicklgruber kann sich ab nun Hitler nennen.

Wer waren die drei Zeugen?

Joseph Romeder

Er ist am nächsten mit den Spitaler Hiedlern verbunden. Geboren ist er am 21. Februar 1834 in (Ober) Windhag 10 als Sohn des Bauern Jakob Romeder und seiner Frau Barbara, geborene Pölzl, die aus Schöllbühel stammt. (↑)

Am 25. Jänner 1853 heiratet er 18-jährig die 20-jährige Walpurga Hüttler (↑) (im Trauungsbuch so geschrieben), die Tochter des Johann (Nepomuk) Hüttler, des Ziehvaters von Alois Schicklgruber auf Spital 36. Alois Schicklgruber, geboren 1837, ist vor kurzem ausgezogen und nach Wien gegangen, bzw. es ist möglich, dass er zu dieser Zeit noch im Haus Spital 36 wohnt.

Da Johann (Nepomuk) Hüttler ohne Sohn ist, seine älteste Tochter Johanna 1848 schon auf den Nachbarhof des Johann Pölzl geheiratet hat und die jüngste Tochter Josepha ehelos 1859 stirbt, übernimmt Romeder zusammen mit seiner Frau den Hof.

Walpurga stirbt am 30. November 1900 (↑) noch am Hof in Spital 36, Joseph Romeder allerdings nicht mehr dort, sondern am 18. Mai 1911 als Ausnehmer in Walterschlag 4 (↑). Die Ehe war kinderlos geblieben, Romeder hatte das Haus an Anton Stütz aus Harmannstein verkauft.
[Dorferneuerungsverein „Spital Aktiv“: Spital und seine Bewohner (Spital 2004) S.: /Ahnen/Ahnen/ab3556.htm. Im Eigenverlag herausgegebene CD, unter anderem mit umfassender Dokumentation aller Einwohner und ihrer Lebensdaten.]

Zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des notariellen Schreibens ist er 42 Jahre alt.

Johann Breiteneder

Zeitlich kommen zwei Personen in Frage(1774-1816):
[Spital und seine Bewohner  S.: /Ahnen/Ahnen.htm#Breiteneder.]

  1. Johann Breiteneder, Kleinhäusler und Weber, geboren 1800 auf Spital 47 und gestorben 1886 als Armenhauspfründler auf Spital 41.
    Sein Vater ist Martin Breiteneder (1774-1859), seine Mutter Maria (1774-1816) war eine geborene Ledermüller.
    Zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des notariellen Schreibens wäre er 76 Jahre alt gewesen.
  2. Johann Breiteneder, geboren am 5. Juli 1822 auf Spital 34 (↑). Seine Taufpaten sind Martin und Theresia Prinz, geborene Hüttler, die Eltern des späteren Taufpaten von Adolf Hitler. Johann ist der Sohn des Anton Breiteneder aus Spital und dessen Frau Juliana, geborene Klein aus Langfeld.
    Am 20. November 1869 heiratet er in Weitra (↑). Seine Braut Theresia ist eine Nichte des Lehrherren von Alois Schicklgruber, Anton Ledermüller. Theresia ist nämlich die Tochter von Antons Schwester Josefa Ledermüller, welche 1831 den Weber Josef Pautsch geheiratet hat. (↑)

    Johann Breiteneder stirbt am 29. Juni 1896 (↑) mit 74 Jahren als Hausbesitzer und Tagelöhner in Weitra in der Bergzeile 41.
    Zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des notariellen Schreibens wäre er 42 Jahre alt gewesen.

Engelbert Pautsch

Engelbert Pautsch gehört, wie obiger Johann Breiteneder, ebenfalls mittelbar zur Familie der Ledermüller. Er ist ein Neffe des Lehrherren Alois Schicklgrubers, Anton Ledermüller. Engelberts Vater, der Weber Josef Pautsch, hat, wie oben beschrieben, 1831 die Schwester Antons, Josefa Ledermüller, in Spital geheiratet. Engelbert am 18. Oktober 1834 (↑) wurde aus dieser Ehe geboren und war als Erwachsener Schmid auf Spital 16, später Kleinhäusler in Spital 49.

Er stirbt an dieser Adresse am 14. Februar 1917 (↑).

Zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des notariellen Schreibens ist er 41 Jahre alt.

Über das Motiv der drei Herren wird seit dem Bekanntwerden des Vorgangs vor etwa hundert Jahren gerätselt.

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Wir haben zwei Kinder des Paares Josef Pautsch und Josefa Ledermüller von Spital 16 kennengelernt. Nebenbei sei erwähnt, dass eine Tochter von ihnen, Juliana Pautsch, geboren am 24. Mai 1839, samt der großen Familie ihres Mannes Franz Bruner (↑) nach Wisconsin / USA emigrierte. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.