Kategorie: "Gmünd"

NÖ Land-Zeitung, 16. Februar 1938: Amnestie für Illegale NSler

Januar 15th, 2012

Die Zeitung titelt mit "Schuschnigg bei Hitler. Ein Besuch auf dem Obersalzberg."

Im Lokalteil für Gmünd findet sich die interessante Kurzmeldung:


"Amnestie. Auch für Gmünd wirkte sich die letzterlassene Amnestie aus. Einige Gmünder, welche wegen illegaler Betätigung in Haft waren, wurden aus derselben wieder entlassen. Sie waren zu drei Monaten Anhalt verurteilt."


Augenzeugenbericht von Emmy Mahler, einer angesehenen jüdischen Frau aus Gmünd

Januar 8th, 2012

Dr. Georg Mahler, der Ehemann von Emmy Mahler, war Leiter der Firma Bobbin in Gmünd gewesen, welche 9 Angestellte und 103 Arbeiter beschäftigte. Im Jahr 1938 wurde er auf schändliche Art entlassen, die Familie musste unter widrigsten Umständen über Wien in die Dominikanische Republik und weiter in die USA flüchten. Emmy Mahler schrieb eine Art Tagebuch über die ganzen Ereignisse, auch noch über ihre heile Welt vor dem Nationalsozialismus in Gmünd, über den Umbruch 1938 und wie hart es den Gmünder Juden damals erging. Lizzy Jalkio, die Tochter von Georg und Emmy Mahler, hat den Text, den sie als Brief von ihrer Mutter erhalten hatte, unter dem Titel "Jeder Tag ist ein Abschied" der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die Erlebniserzählung im Internet: Erinnerungen. Lebensgeschichten von Opfern des Nationalsozialismus S. 20

Christine Werner hat den packenden Stoff in ihrem Roman "Wien ist nicht Chicago" verarbeitet.

Zu den genaueren Umstände der Arisierung der Fa. Bobbin siehe: Bobbin Holzwarenfabriks AG. In: Ökonomie der Arisierung, Band 2, S. 682-685

NÖ Land-Zeitung, Krems, 16. März 1938

Januar 7th, 2012

In nächster Zeit möchte ich gerne Dokumente zur Geschichte des Nationalsozialismus im Gmünder Bezirk ausheben und einige davon hier veröffentlichen. Es soll ein Beitrag zur bisher kaum erfolgten Aufarbeitung dieses unheilvollen Kapitels unserer Geschichte werden. Es würde mich freuen, wenn sich einige Leute anschließen und sich mit mir an dieser Aufgabe beteiligen!

Lange habe ich gedacht, dass kaum etwas veröffentlicht wurde in unserem Bezirk. Die Gmünder Zeitung gibt es noch nicht so lange, andere Zeitungen schien es auch nicht gegeben zu haben, bis ich auf die "NÖ Land-Zeitung" stieß, die in Krems herausgegeben wurde. Die "Land-Zeitung" war eine Wochenzeitung für ganz Niederösterreich, Gmünd wird wie den anderen Bezirken jeweils eine eigene Rubrik vom Umfang einer halben Seite aufwärts gewidmet.

Den Anfang machen nun zwei Artikel aus dieser Zeitung, und zwar aus der ersten Ausgabe nach dem Einmarsch Hitlers.  Die Artikel wurden deswegen ausgewählt, weil sie ganz unmittelbar einen ersten Eindruck in die Stimmung der ersten Stunde des Nationalsozialismus in unserer Heimat geben.

Zur Einordnung der Quelle: Die Zeitung begrüßt überschwänglich die quasi über Nacht eingetretenen neuen Umstände. Getitelt wird mit:

Deutschösterreichs Heimkehr ins Reich. Zusammenbruch der ‚vaterländischen‘ Volksfrontpolitik Schuschniggs. – Das Volk steht auf – der Sturm bricht los! – ‚Ein Volk – ein Reich – ein Führer!‘ – Adolf Hitler in seiner Heimat. – Volksabstimmung am 10.April‘

Als Ausdruck der völligen Zustimmung zu den neuen Verhältnissen wurde bereits in dieser Ausgabe das Hakenkreuz in den Titelschriftzug des Zeitungsnamens eingefügt!

Hier die Originalartikel:


Kundgebung. Auch in Gmünd fand am 6. d. eine Freudenkundgebung zum Berchtesgadener Frieden statt. Mehr als 1000 Nationalsozialisten veranstalteten am Stadtplatze einen Bummel. Als die Massen in Sechserreihen marschieren und nationale Lieder sangen, ersuchte die Gendarmerie, den Zug aufzulösen, da das geschlossen Marschieren nicht gestattet sei. Die Kundgeber befolgten ruhig die Anordnung und marschierten nun in losen Gruppen weiter.

Nationalsozialistische Volkskundgebung. Nach dem Rücktritt des Bundeskanzlers Dr. Schuschnigg fand in den späten Abendstunden auch in Gmünd eine große Kundgebung statt. Tausende von Nationalgesinnten aller Stände, jung und alt, zogen unter Absingen von nationalen Liedern und lebhaften Heil Hitler und Sieg-Heil-Rufen durch die Straßen von Gmünd 1 und 2. Unübersehbar war der Zug. Gmünd hatte eine so gewaltige Kundgebung noch nie gesehen. Die Begeisterung der Massen hatte keine Grenzen. Alte Leute umarmten sich und brachen in Jubelrufe aus. Am Stadtplatze sprach der nat.-soz. Kreisleiter begeisterte Worte zur Menge und geißelte den Verrat. Mit rauschenden Sieg-Heil-Rufen antwortete die Menge. Nach Absingen des Horst-Wesselliedes und des Deutschlandliedes zerstreute sich die Menge. Ruhe und Disziplin wurde gewahrt, streng wurden die Worte des Führers befolgt. Am Morgen wehen von d. Häusern Fahnen, darunter sehr viele mit dem Hakenkreuz. Die Geschäfte waren von Fahnenstoffen ausverkauft. Die Arbeiterkammer, bei der Waffen gefunden wurden, wurde gesperrt und der Leiter in Schutzhaft genommen. Auch andere kom. Führer wurden verhaftet. Die Gendarmerie und Miliz trägt Armbinden mit dem Hakenkreuz. Gmünd zeigte, daß es in der überwiegenden Mehrheit nationalsozialistisch ist. Sieg-Heil!


Berchtesgadener Frieden: Gemeint ist wohl das unter Druck zustande gekommene Abkommen, das beim Treffen Hitler-Schuschnigg am 12. Februar 1938 auf dem Berghof am Obersalzberg unterzeichnet wurde: Freie Betätigung der österreichischen Nationalsozialisten, stärkere Einbindung von Nationalsozialisten in die öst. Regierung.

Rücktritt Dr. Schuschnigg: 11. März


Kafka-Gasse in Gmünd

Februar 10th, 2006

Manchmal brauchen die Sachen Zeit zum Entwickeln. Die Geschichte mit Kafka und Gmünd war für mich schon vor langer Zeit virulent. Ich hab' damals der Stadtgemeinde Gmünd geschrieben, einen Artikel an den Waldviertler geschickt, eine Ansichtskarte entworfen, aber es ist aus allem nichts geworden.

Sehr geehrter Herr Prinz!

Sie haben uns vor einigen Monaten auf die Beziehung von Franz Kafka zu Gmünd aufmerksam gemacht. In einem Mail haben Sie sogar sämtliche Zitate aus seinen Briefen mitgeschickt und gemeint, man sollte diesem Schriftsteller in Gmünd mehr würdigen.

Nunmehr ergibt sich die Möglichkeit, dass eine neue Siedlungsstraße nach ihm benannt werden könnte. Wir bitten Sie daher um nochmalige Zusendung der damaligen Unterlagen, da ihr Mail bei uns scheinbar verloren ging.

Mit freundlichen Grüßen

Horst Weilguni

Ich habe dem Stadtamtsdirektor-Stellvertreter die Sachen noch einmal geschickt, und erfahre mit Freude von ihm:

Herzlichen Dank für Ihre Bemühungen. Am 6. März soll in der Gemeinderatssitzung der Beschluss für eine "Franz-Kafka-Gasse" gefasst werden.

Mit freundlichen Grüßen
Horst Weilguni
STADTGEMEINDE GMÜND

So sähe die Karte heute aus...

Mai 15th, 2005

Gmünd heute