Kategorie: "Oberlainsitz"

Blockwart von Oberlainsitz

Juni 11th, 2018

Es würde mich freuen, wenn es zu NS-Zeit in Oberlainsitz mehr Informationen gäbe.

Ich konnte nur die eine Meldung in der Donauwacht finden:

"Unser Blockleiter" ist Karl Höbarth, geboren am 1. November 1883 in Groß Gerungs, gestorben am 9. April 1964, wahrscheinlich in Oberlainsitz oder St. Martin. Sein Vater Ignaz Höbarth ist am 3. Juli 1860 in Oberrosenauerwald 9 geboren worden, war also bei seinem Tod am 27. Oktober 1941 eigentlich schon 81 Jahre alt. Die Mutter Karls stammte aus Neusiedl bei Rosenau, wie die beiden zu dem Haus Oberlainsitz 1 kamen, konnte nicht eruiert werden.

Meine Großmutter Josefa Prinz erzählte gerne die Geschichte, dass "der Nazi Höbarth" von der Nachbarin Lassl mit Schimpf vom Hof vertrieben wurde, als er bei ihnen am Bauernhof nach versteckten bzw. nicht angemeldeten Nahrungsmitteln suchen wollte.

Adolf und Josef Neugschwandtner

Juni 9th, 2018

Vor einigen Jahren las ich im Standard einen Artikel mit dem Titel "Die Stunde der 'Ariseure'"1 über "Die unrühmliche Rolle, die der Kunsthandel bei der "Arisierung" jüdischen Vermögens gespielt hat". Darin findet sich auch der Bericht über einen jüdischen Musiker, der aus seiner Wohnung getrieben worden war, seine wertvollen Möbel, Bilder und dergleichen zur Aufbewahrung gegeben hatte aber diese dann ohne jede Zustimmung oder Nachricht in der Auslage eines Kunsthändlers zum Verkauf angeboten fand.

Diese Kunsthandlung habe sich in der Augustinerstraße in Wien befunden und einem gewissen "Sepp Neugschwandtner" gehört, der im selben Haus noch eine (arisierte) Antiqitätenhandlung kommissarisch verwaltet haben soll. Und: "Neugschwandtner war vor 1938 Kunsttischler und wiederholt arbeitslos gewesen. Nach dem 'Anschluss' gelang ihm mithilfe seines Bruders Adolf, eines SA-Brigadeführers, der Einstieg in den Kunsthandel."

In Oberlainsitz, weit weg von Wien, gab es in meiner Jugend einen sich als Restaurator betätigenden Herrn mit Namen Sepp Neugschwandtner, sollte dieser gemeint sein? Falls er einen Bruder mit Namen Adolf gehabt hat, wäre die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich um unseren Mann handelt.

Nun, Josef Jakob Neugschwandtner aus Oberlainsitz ist am 24. Juli 1904 in Weitra als Sohn des Müllergehilfen Rudolf Neugschwandtner und dessen Frau Barbara geboren worden.2 Es war nicht ihr einziger Sohn, ein älterer mit dem Namen Adolf war am 20. April 1901 in Strobnitz (Horní Stropnice) auf die Welt gekommen.3

Ein weiteres und schließlich schlagendes Indiz für die Identität der Personen ist eine Zeitungsmeldung der Donauwacht vom 23. September 1942: 

Ortsgruppe Harmannschlag. Tod des Altparteigenossen Neugschwandtner. Infolge eines Magenleidens verstarb der Altparteigenosse Rudolf Neugschwandtner aus Ober-Lainsitz. Pg. Neugschwandtner war schon immer ein national denkender Mann und stand seit den Anfängen des Nationalsozialismus zu unserer Fahne. Wer immer Gelegenheit hatte, mit ihm über unsere Idee zu sprechen, wurde von der Treue des alten Kämpfers stark beeindruckt. Die Partei wird ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren!

Es wird sich also lohnen, die Geschichte seiner beiden Söhne anzuschauen.

Bild aus Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe) 2. Juli 1939 

Was kann man aus Onlinemedien alles über diese beiden herausfinden?

Der Name Adolf Neugschwandtner scheint ein sehr seltener zu sein. Eine erstes Googeln liefert nur den Hinweis auf Wikipedia, dass er am 30. Januar 1942 zum Brigadeführer, dem dritthöchsten Rang der SA, befördert worden ist.

Die Suche nach "Sepp Neugschwandtner" liefert den oben genannten Artikel aus dem Standard und noch einen weiteren derselben Autorin, in welchem Sepp N. als kommissarischer Verwalter einer zweiten zu arisierenden Antiquitätenhandlung (von Wilma Werner) im selben Haus Augustinerstraße 8 genannt wird.
Und es scheint ein amerikanisches Dokument auf, das sich auf ein Bild aus Neugschwandtners Besitz bezieht:

4)

Dieses Dokument entstammt einem Interimsreport der amerikanischen Armee über den Stand der Restitutionen geraubten Kunstgutes aus dem Jahr 1949. Ein Bild stehe unter militärischer Verwahrung, weil es von Sepp Neugschwandtner Oberlainsitz 35 kommen soll, der am 9. März 1948 als illegaler Nazi zu einem Jahr schweren Gefängnis und zum Vermögensverlust verurteilt worden sei. Man habe die Sache an das Bundesdenkmalamt gemeldet, weil sie in die Zuständigkeit der österreichischen Gerichtsbarkeit falle und man habe gebeten, dass man informiert werde, falls die Verwahrung beendet werden sollte. Es handelt sich um das Bild "Abstieg vom Kreuz" von Guilio Romano, wobei die Figur Jesu von Raffael gemalt worden sein soll.

Die Suche nach "Josef Neugschwandtner" ergibt aktuell 218 Ergebnisse auf Google, nur zwei davon sind Treffer:

Das Buch "NS-Kunstraub in Österreich und die Folgen" von Gabriele Anderl aus dem Jahr 2005, in welchem Neugschwandtner vorkommt und der Wikipediaeintrag für Otto Schatzker, von dem Neugschwandtner das Geschäft in der Augustinerstraße übernommen hatte, wie man auch aus obiger Eröffnungsanzeige sieht.

__________

1 Gabriele Anderl, Die Stunde der 'Ariseure'. In: Der Standard (03.10.2009).

2 Taufbuch kath. Pfarre Weitra, XIII, Blatt 294.

3 Taufmatrik kath. Pfarre Strobnitz, IX, Blatt 162, Ordnungszahl 23.

4 Cases and reports, claims processed by, and general records of the Property Control Branch of the U.S. Allied Commission for Austria (USACA) Section, 1945-1950. Member Contributions for Restitution: Fine Arts › Page 41. <online>