Es steht im Grundbuch: Das Sägewerk gehörte Löwy und Winterberg!

Oktober 30th, 2011

Das Eigentumsrecht der Firma Löwy und Winterberg am Sägewerk Joachimstal heute noch juristisch eindeutig zu belegen, erschien mir aussichtslos, nachdem ich erfahren hatte, dass das Grundbuch für adelige Besitztümer, die NÖ Landtafel, mit dem Brand des Wiener Justizpalastes 1927 zerstört worden war. Ich pilgerte trotzdem ins Wiener Landesarchiv, um die Grundbucheinlage Nr. 461, das Fideikommissgut Weitra, nach potenziellen Hinweisen zu sichten.

Manchmal will die Geschichte nicht, dass etwas vergessen wird: Die Gemeinde Harmannschlag schickte tatsächlich erst 1928, also ein Jahr nach dem Brand, einen das Sägewerk betreffenden Anmeldungsbogen für die Abänderung des Verzeichnisses über landtäfliche Liegenschaften nach Wien, wo er mit dem Datum 8. Mai 1929, Reihungsvermerk 339 registriert werden konnte und der Nachwelt erhalten blieb!

Unter den Nummern 13 und 14 ist verzeichnet:

Laut des Anmeldungsbogens Nr. 7 vom Jahre 1928 der Katastralgemeinde Harmannschlag sind

a) auf Teilen des Grundstückes Nr. 1586 die Baufläche Nr. 130,

b) auf Teilen der Grundstücke Nr. 1586 und Nr. 1587 je Wald, die Baufläche Nr. 129,

c) auf Teilen des Grundstückes Nr. 1587 Wald die Bauflächen Nr. 128 und Nr. 131,

d) auf Teilen der Grundstücke Nr. 1588 und Nr.1640 je Wald die Baufläche Nr. 127 und

e) auf Teilen des Grundstückes Nr. 1640 Wald die Baufläche Nr. 126

entstanden und wurde

die Errichtung von Bauwerken im Sinne des § 435 abGB auf den Bauflächen Nr. 126, Nr. 127, Nr. 128, Nr. 129, Nr. 130 und Nr. 131 angezeigt.

Mit dem Bezug auf §435 ABGB (temporäre Bauwerke, nicht im Eigentum des Grundstücksbesitzers) wäre damit wenigstens zu beweisen, dass die genannten Bauwerke nicht im Eigentum von Fürstenberg standen, der wahre Eigentümer wird hier aber leider nicht genannt.

Da das Landesarchiv in Wien nur eine Abschrift der NÖ-Landtafel besitzt, wandte ich mich an das NÖ-Landesarchiv in St. Pölten. Dort fand sich der Anmeldungsbogen der Gemeinde Harmannschlag aus dem Jahr 1928 im Original. Würde er einen Beweis liefern, dass die Bauwerke Löwy und Winterberg gehörten?

Ja, hier findet sich der eindeutige, explizite Beweis dafür! Als Grund für die Grundbuchsänderung wird angegeben:

Neubauten – die auf den Bauflächen … 126, 127, 128, 129, 130 u. 131 stehenden Gebäude gehören der Firma "Löwy und Winterberg in Prag".

Damit ist auch heute noch grundbücherlich zu belegen, dass das Sägewerk und die dazugehörenden Gebäude Ende der 20er Jahre eindeutig im Besitz unserer Prager Firma waren! Wie sie in die Hände der Genossenschaft österreichischer/ostmärkischer Waldbesitzer gekommen sind, das aufzuklären, wird noch eine andere Geschichte!

Die Firma Löwy und Winterberg in ihrer Selbstdarstellung 1928

Oktober 26th, 2011

Ich habe diese Festschrift zum ersten Mal als Fotokopie von Markus Lassl erhalten und bleibe ihm dafür für immer dankbar. Leider konnte ich lange kein Original auftreiben, das man hätte publizieren können.

Seit kurzem aber liegt diese Festschrift mit Golddruck auf sattgrünem Einband auf meinem Schreibtisch und ich bin stolz, sie hiermit einem weiteren Kreis zugänglich machen zu können:

Denkschrift zur 70. Wiederkehr des Gründungstages der Firma Löwy & Winterberg, Holzhandlung - Dampfsägewerke in Prag. (1858-1928).

Auf Seite 51/52 der pdf-Kopie bzw. S.20 und Tafel XXVI finden Sie die Dampfsägewerke Joachimstal und Schwarza beschrieben und abgebildet.

Aus dieser Denkschrift wird klar, dass die Bedeutung der Firma in der Zeit vor dem Nationalsozialismus kaum überschätzt werden kann.

Die Firma Löwy und Winterberg bei Kafka

Oktober 26th, 2011

Die Firma ist heute zumindest noch aus den Briefen und Tagebüchern Franz Kafkas bekannt. So schrieb er im Jahr 1913 an Felice Bauer u.a.:

"Wer hat denn in Prag schon Parlographen? Löwy und Winterberg ist freilich eine große Fa., die drittgrößte Holzhandlung Böhmens soviel ich weiß; ich hatte auch schon geschäftlich mit ihr zu tun. Zwing ihr nur den Parlographen auf, Du liebste Geschäftsfrau."

Der Parlograph war ein gerade erst eingeführtes, modernstes Diktiergerät, das auf einer Wachswalze Ton aufnehmen und wieder abspielen konnte, und Löwy und Winterberg war wegen seiner Größe einer der wenigen potentiellen Abnehmer in Prag.

Ein Satz aus seinem Tagebuch vom 11. 11. 1911 diente vielen Germanisten zur Analyse Kafkas:

"Die von ihren Arbeitschürzen besonders hinten fest umspannten Mädchen. Eine bei Löwy und Winterberg heute vormittag, bei der die Lappen der nur auf dem Hintern geschlossenen Schürze, sich nicht wie gewöhnlich aneinanderfügten, sondern über einander hinweggingen, so dass sie eingewickelt war wie ein Wickelkind."

Und man findet bei Kafka eine Beschreibung des Chefs der Firma im Tagebucheintrag ein paar Wochen vorher:

"heute früh bei Löwy u. Winterberg. Wie sich der Chef mit dem Rücken seitlich in seinen Lehnstuhl stemmt, um Raum und Stütze für seine ostjüdischen Handbewegungen zu bekommen. Das Zusammenspiel und gegenseitige Sichverstärken des Hände- und Mienenspiels. Manchmal verbindet er beides, indem er entweder seine Hände ansieht oder sie zur Bequemlichkeit des Zuhörers nahe beim Gesicht hält. Tempelmelodien im Tonfall seiner Rede, besonders beim Aufzählen mehrerer Punkte führt er die Melodie von Finger zu Finger wie über verschiedene Register."

Wir werden später erfahren, wer dieser Chef gewesen sein könnte.

Löwy und Winterberg, Firma 276

Oktober 25th, 2011

Im Katalog zur prächtigen NÖ-Landesausstellung 1994 "Die Fürstenberger. 800 Jahre Herrschaft und Kultur in Mitteleuropa" findet man im Namensregister einen Hinweis auf eine Erwähnung von Löwy und Winterberg. Haben die Fürstenbergs sich mit ihrer eigenen Geschichte im Nationalsozialismus auseinandergesetzt und das Thema Arisierung angesprochen?

Keineswegs. Im Beitrag "Grundherren und Unternehmer - wirtschaftliche und soziale Initiativen der Landgrafen von Fürstenberg zu Weitra im 19. Jahrhundert" dient die Zusammenarbeit mit Löwy und Winterberg als ein Beispiel für gelungene Modernisierungen in der Forstwirtschaft. Von der Arisierung im Jahr 1938 zu berichten, nimmt man Abstand:

"Die Anlage von Waldstraßen und Zugbahnen ermöglicht bald die Holzbringung zu Schwemm-Möglichkeiten (insbesondere zur Luschnitz) und zur neuen Franz-Josephs-Bahn. Mit Genehmigung bzw. auf Anregung von Eduard Egon errichtete ein bewährter Holzkunde die Firma Vinzenz Bubenicek (aus Prag) eine 'Zweigniederlassung' - konkret ein Dampfsägewerk - in der Schwarzau (1883) und bringt das Schnittholz in Eigenregie über Gmünd nach Prag. (Das Sägewerk wird später von der Firma Löwy und Winterberg, Prag, übernommen)."

Und noch später?

Alte Ansichtskarten von den Sägewerken Joachimstal und Schwarzau

Oktober 24th, 2011

Die Karte vom Sägewerk in der Schwarzau ist im Besitz des bekannten Weitraer Historikers Wolfgang Katzenschlager, die Karte mit dem Sägewerk in Joachimstal aus dem Jahr 1934 bekam ich als Scan von Herrn Roland Mader 2005 anlässlich einer verlorenen Auktion bei Ebay.