Sonnenuhr Johannesberg?

April 10th, 2005

Der Vermessungsplan des Johannesberggipfels hat mich dazu verleitet, einmal die wichtigsten Sonnenaufgangs- und untergangsrichtungen einzuzeichnen. Mit Skyviewcafe lassen sich diese leicht berechnen:

                       (W from S)  
                        Azimuth    

2003-06-21 04:58       231°51'04" 
2003-06-21 21:07       128°17'25"  

2003-09-23 06:48       268°59'13"  
2003-09-23 18:57        90°42'19"  

2003-12-22 07:51       305°56'03"  
2003-12-22 16:07        54°07'39" 

Das Ergebnis ist verblüffend:

Richtung der Sonnenaufgänge

Die Felsen nach Süden hin scheinen mit diesen Richtungen irgendwie zu harmonieren, oder?

Nachlass Friedrich Julius Bieber II

April 8th, 2005

Ich war heute noch einmal in der Nationalbibliothek. Die lt. Standortrepertorium ev. noch interessanten Mappen Ser. n. 24548 bis 24551 mit Briefen aus dem Nachlass von Friedrich Julius Bieber enthielten aber leider auch keinen Hinweis auf die Erkundung des Johannesberges im Herbst 1912. Es fanden sich "nur" handschriftliche Briefe an seine Frau aus Afrika von den Reisen 1904 und 1909 und Korrespondenzen mit Schweinfurth, Frobenius,...

Schade, ich hatte die Hoffnung mehr über die Reise des Forschers zum Johannesberg heruaszufinden. Ich werde woanders suchen müssen...

Nachlass Friedrich Julius Bieber I

April 1st, 2005

Endlich ist es soweit: Ich habe kurz Zeit in die Nationalbibliothek zu fahren und mir den Nachlass von Friedrich Julius Bieber auszuheben. In einem Standortrepertorium sind die 45 Mappen Ser. n. 24511 bis 24555 mit Dokumenten des Afrikaforschers kurz beschrieben. Trotz des Zuvorkommnens der Bibliothekare komme ich nur dazu, die "Belege zur Lebensarbeit" 24528 und die "Ansichtskarten" 24552 durchzusehen.

In der ersten Mappe finden sich drei literarische Manuskripte von F.B.: "Das Märchen vom wahren Glück", "Rascha, eine Geschichte aus den abessinischen Bergen..." und "Das zweite Leben".

Die zweite Mappe birgt einige Dutzend Ansichtskarten, die der Forscher aus Afrika an seine Familie geschickt hat. Wunderbare, zum Teil farbige Karten aus Ägypten, vom Suezkanal, aus Dschibuti...

Leider kein Hinweis zum Herbst 1912, als F.B. den Johannesberg bei Harmanstein besichtigt und beschrieben hat.

Aber vielleicht findet sich in den anderen Mappen mehr...

Geometeraufnahme des Johannesbergs

März 25th, 2005

JohanneskircheIch habe wieder einmal den Katalog zur Niederösterreichischen Landesaustellung 1981 "Die Kuenringer" im Stift Zwettl durchgeblättert und darin eine Geometeraufnahme des Berggipfels von Helmut Morawek entdeckt.

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1912: Afrikaforscher Bieber vermutete vorgeschichtliches Heiligtum auf dem Johannesberg

März 15th, 2005
1912: Afrikaforscher Bieber vermutete vorgeschichtliches Heiligtum auf dem Johannesberg

Der große Lainsitztalkenner Johann Gattringer aus Oberlainsitz hat mir kürzlich Kopien aus einem alten Buch gegeben: Im Herbst 1912 war der Afrikaforscher Friedrich F. Bieber auf dem Berg bei Harmanstein, um ihn zu erforschen...

Auf den drei gedruckten Seiten beschreibt der berühmte Mann den Gipfel des Johannesberges als verfallene bzw. zerstörte vorgeschichtliche Kultstätte. Die Kopien waren allerdings schon so schlecht, dass die Abbildung mit der Skizze des Forschers beinahe unkenntlich war. Heute habe ich das Original in der Nationalbibliothek gefunden: Der Text ist ein Anhang aus der zweiten Auflage der "Deutsch-Mythologischen Landschaftsbilder" von Guido List aus dem Jahr 1913! Hier der Bericht von Friedrich Bieber und die Skizze des Forschers:

"Der Halgadom am Johannis-Berge ober Harmannstein im Waldviertel.

Von dem Dorfe Jagenbach an der Einmündung des Maisbaches in den Zwettlfluss führt uns eine über die Hügelhöhen im Süden des Maisbaches geradeaus nach Westen laufende Fahrstraße durch die Dörfer Groß-Otten und Engelstein zum Fuße des als waldbedeckter Kegel aufragenden Johannisberges. Vor dem alten Schlosse Engelstein zweigt von der Fahrstraße, die nach Groß-Schönau weiterführt, ein Fußsteig ab, der uns, allmählich aufsteigend, nach etwa halbstündiger Wanderung in das auf halber Bergeshöhe liegende Dorf Harmannstein bringt. Zehn weitere Minuten durch Ackerland nach Westen bergauf wandernd, erreichen wir das am Waldrande liegende Gehöfte des Hofbauern, eine uralte Haushofstätte, auf der seit etwa hundertzwanzig Jahren die Familie Zeilinger sitzt. Es ist durch seinen fünfeckigen Grundriss bemerkenswert. Der Hofbauer ist auch der Eigentümer der ganzen, etwa neunzig Joch Grund umfassenden Kuppe des Johannisberges. Vom Hofbauern weg steigen wir noch einige Minuten durch alten Nadelwald endlich steil bergan auf die 886 Meter hohe Spitze des Berges.

Aus dem Walde treten wir oben auf eine kleine halbrunde Lichtung hinaus, auf deren Südseite sich eine kleine Kirche erhebt, deren Chor wohl aus dem dreizehnten bis vierzehnten Jahrhundert stammt, während der vordere Teil der Kirche erst in der Barockzeit zugebaut wurde. Über eine um den Chor führende steile Steintreppe steigen wir auf den höchsten Punkt des Berges. Sieben im Kreis gesetzte und am Innenrande fast zur Gänze in das im Laufe der Zeiten zugewachsene Erdreich gebettete, etwa drei bis vier Meter mächtige Steinblöcke (1 bis 7), auf deren größten (1) ein Kruzifix aufgestellt worden ist, umschließen eine etwa 8 Meter im Geviert haltende Hochfläche und haben, nach den da und dort aus der Grasnarbe ragenden Steinrändern zu schließen, einen förmlichen Ring gebildet, einen Kreis von mächtigen Einsteinen (Monolithen), der - wohl bei oder wegen der Erbauung jener christlichen Kultstätte - zerstört worden ist. Herabgeworfene flache Steinblöcke (4a, 5a und 6a) sind noch heute stumme Zeugen dieser Zerstörung.

An diesen inneren Ring auf der Bergesspitze schließt sich im Norden die Kirche an, auf deren graues Schindeldach wir von dem größten der Steinblöcke (1) herabblicken. Etwa ein Dutzend Schritte im Abstand, und entsprechend tiefer schloss sich um diesen inneren Ring eine zweite Steinsetzung, ein Kreis von mächtigen Einsteinen (8 bis 15), der in viereckigen, sich verjüngenden, ebenfalls umgeworfenen Einsteinen (9a, 10a und 15a) von etwa viereinhalb Meter Länge und eineinhalb Meter Durchmesser (10a), die noch die Spuren des Behauens tragen, die Meißelrillen oder Hammermarken. Im Osten, Süden und Westen ist dieser äußere Ring noch deutlich festzustellen. Sein nördliches Viertel scheint das Fundament der Nordmauer des Kirchenbaues zu bilden. Von Südwesten aus führen vier aus vier meterhohen behauenen Stufen (16) in diesen äußeren Ring. Gegenüber diesem Aufstieg, im Südosten des Ringes, liegt ein, von der örtlichen Überlieferung als "Steinwandel" oder "Opferstein" bezeichneter Block, der auf seiner Oberfläche eine wannenförmige oder vulvenförmige Vertiefung und eine von dieser an den Rand desselben führende Rinne aufweist. Ob dieser Opferstein ein Tisch war, auf Fußblöcken lagerte wie eine Dolme, ließe sich nur durch eine Abräumung des Gerölles nachweisen. Im Norden, unterhalb der Kirchenmauer, befindet sich ein alter, von dem 1860 verstorbenen Vater des Hofbauern zugeschütteter Brunnen. Steintrümmer und Unterholz erfüllen den Raum zwischen den zwei Steinsetzungen. Ein stellenweise noch erhaltener Graben umschloss die ganze Bergspitze mit den Steinsetzungen. Einige fünfzig Schritte gegen Westen liegt im Walde ein flacher, behauener Stein mit zwei je vier Finger messenden und etwa eine Spanne voneinander entfernten Löchern. Gegen Südwesten, am Waldrande, liegt ein etwa ein Meter hoher und fünf Meter im Durchmesser haltender, genau fünfeckiger Block. - Auch der muss heute ein "Marterl" tragen!

Der Johannisberg erweist sich als der höchste Gipfel der Landschaft. Von der Höhe bietet sich über die Wipfel der die alte Opferstätte im Kreise umschließenden uralten bebarteten Fichten ein herrlicher Rundblick nach Osten auf das Zwettltal und das Maisbachtal, nach Süden auf das Hügelland ringsum, den Schroffenberg, die Höhen bis Arbesbach und den Jauerling und nach Westen auf die oberösterreichischen und Böhmerwald-Berge. Reich ist die Landschaft an alten Ortsnamen. Da gibt es außer dem bedeutungsvollen Namen Harmannstein am Johannisberge selber, einen Rabenberg, ein Rabenloch, ein Friedreichs, Wurmbrand, Windhag, Hirlstein, Nonndorf, Watzmanns, Brandstätt, einen Watzengraben, Thaures, Walterschlag, Plessberg und andere Namen mehr, die auf die Bedeutung des Johannisberges wie dessen Namen auch als alte Heilstätte hinweisen, wenn auch die örtliche Überlieferung am Johannisberg die Hetmarburg der Kuenringer dort gestanden sein lässt. Er ist wohl zweifellos der "Arman"-Stein gewesen, der in dem Ortsnamen Harmannstein bis heute sich lebendig erhalten hat."

'Reste des Halgadoms am Johannis-Berge'

Liest man den Beitrag kritisch vor dem Hintergrund seiner Zeit, fällt Einiges - wie zum Beispiel die allzu germanophile Verdrehung des Namens Harmanstein - als unhaltbar weg. Seine scharfen Beobachtungen allerdings geben vielleicht doch Hinweise auf tatsächliche Spuren vorgeschichtlicher Nutzung des Berges. Ich möchte sie gerne bald Ort überprüfen, wie zum Beispiel die von ihm beschriebenen Anzeichen von künstlicher Bearbeitung mancher Steine. Mir selbst ist schon bei meinem ersten Besuch 2001 der von Bieber als 10a bezeichnete Stein wegen seiner geometrischen Gestalt und seiner merkwürdigen Oberflächenstruktur aufgefallen. Es ist jener Stein, unter dem ich ein altes Versteck mit eisernem Ofen fand:

Diese und viele andere Bilder in höherer Auflösung sowie meine bisherigen Erkundungen über den Berg finden Sie unter dem Titel Herr über die Himmelsgewalten in meiner Lainsitzdokumentation.