Selbstdarstellung der Weitraer NSDAP 1942

Juli 21st, 2012

Hier ein erstes Originaldokument zur NSDAP Weitra, das ich heute der Parteizeitung "Donauwacht" entnehmen konnte:

 

Donauwacht, 22. April 1942

Aus der Geschichte der Ortsgruppe Weitra.

Schon einmal im Jahre 1919 konnte in Weitra eine nationalsozialistisch ausgerichtete Ortsgruppe gegründet werden, deren damalige Leitung der nun schon verstorbene Oberlandesgerichtsrat Dr. Stratzkaney hatte. Leider hatte diese Gründung keine lange Dauer, da nach dem in der damaligen Zeit verständlichen ersten Walmisserfolg der Partei sie rasch wieder zerfiel.

Doch nicht für immer. Zunächst sammelte der frühere Weltkriegsoffizier Hans Eibensteiner im Deutschen Turnverein Weitra als dessen Dietwart die nationalgesinnte Jugend, so die Keimzelle der künftigen SA legend. Im Jahre 1925 war die Arbeit wieder soweit gediehen dass unter seiner Leitung die Ortsgruppe Weitra neu ins Leben gerufen werden konnte. Freilich blieb ihr Weg zunächst weiterhin dornenvoll, blieb doch auch sie von dem Strudel der damaligen Auseinandersetzung zwischen Adolf Hitler und Schulz nicht verschont. Doch wurde bereits am 3. März 1927 und zwar einstimmig der Beschluss gefasst, sich der Hitlerbewegung anzuschließen, sodass dieser Tag als das Datum der eigentlichen Ortsgruppengründung gelten kann.

Rasch stellten sich Erfolge ein. Schon am 18.9.1927 wurde ein Gemeinderat errungen, bei der Wahl am 10. Nov. 1929 deren aber gar drei.

Die Parteiarbeit ging nun in die Breite. Pg. Eibensteiner, jetzt auch Bezirksleiter, legte an verschiedenen Orten neue Stützpunkte an, so namentlich in Harbach, Lauterbach usw. und bei den Gemeinderatswahlen 1932 war die NSDAP in Weitra gar schon zur stärksten Partei angewachsen. Darüber hinaus konnte die Gemeinde Wetzles insofern einen besonderen Erfolg für sich buchen, als sie die zeitlich erste Gemeinde in Österreich darstellte, in die ausschließlich nationalsozialistische Gemeinderäte gewählt worden sind. Das Sturmjahr 1933 brach an. Die Parteigenossen Eibensteiner und Fitzthum (der Führer des damaligen SA-Sturmbannes in Weitra) wurden wegen Hochverratsverdacht dem Kreisgericht Krems eingeliefert, was eine spontane Demonstration der Weitraer Bevölkerung auslöste, die nur durch ein starkes Polizeiaufgebot zerstreut werden konnte. Bald kam es aber noch unangenehmer. Als am Fronleichnamstag darnach hier die Deutschmeister spielen sollten, nahmen die Demonstrationen derart stürmische Ausmaße an, dass das geplante Deutschmeisterkonzert tatsächlich vereitelt wurde; am Nachmittag des gleichen Tages verhinderte unsere Ortsgruppe in gleicher Weise durch ihr entschlossenes Eingreifen das Spielen dieser Kapelle auch in Gmünd. Überdies wurde einmal in der Verbotszeit über Veranlassung des wackeren SA.-Sturmführers Franz Bauer am hiesigen Rathaus durch die Pg. Franz Rausch und Leopold Heinzl eine Hakenkreuzfahne gehisst. Der sattsam bekannte damalige Bezirkshauptmann Dr. Allinger ließ deswegen 11 Parteigenossen verhaften, die aber mit dieser Fahnenhissung nichts zu tun hatten.

Pg. Eibensteiner musste zwar schließlich enthaftet werden, blieb aber weiterhin unter polizeilicher Aufsicht. Die Leitung und den Neuaufbau übernahm daraufhin der heutige Ortsgruppenleiter Pg. Karl Seitz unter Mitwirkung der Pg. Gratzl und Pöpperl jun. Gar schnell war sie wieder so gut organisiert, dass ihr Auffliegen geradezu unmöglich war. Sie zählte zuletzt nicht weniger als 72 Parteimitglieder und 54 SA-Männer, wozu noch die HJ und NS-Frauenschaft kamen. Zahlreiche Waffentransporte wurden damals von den Pg. SA-Sturmführer Franz Bauer und Roman Fuchs nach Krems befördert, desgleichen wurde vielen politischen Flüchtlingen in Österreich der Fluchtweg über die Tschechei ins Reich ermöglicht.

Die NSDAP-Ortsgruppe hat sich eisern bewährt, trotzdem viele ihrer Anhänger argen Verfolgungen ausgesetzt waren. So wurden z.B. die Pg. Roman Fuchs und Ernst Glaser, welcher nach der Flucht von Pg. Franz Bauer ins Reich die Führung des SA-Sturmes Weitra übernahm, jeder zu mehr als 8 Monate von den Systemschergen eingekerkert.

Mit berechtigtem Stolz kann die Ortsgruppe auf das Vorhandensein von 12 Ehrenzeichenträgern in ihren Reihen, die Parteigenossen Franz Huber, Josef Gratzl, Hans Heinz, Rudolf Zeinlinger, Karl Wambersky, Emil Bradler, Max Fitzthum, Roman Fuchs, Hans Eibensteiner, Felix Reiter, Hans Jeschko und Anton Wiedemann hinweisen.

Auch heute stehen wiederum 30 Prozent ihrer Mitglieder unter den Fahnen des Führers. Sie marschiert unbeirrt im gleichen Marschschritt wie immer weiter, mag kommen was wolle.

Land-Zeitung: 30.März 1938

Januar 24th, 2012

Gmünd

Todesfall. Hochbetagt…

Unsere stramme SA unternimmt Propagandafahrten mit Auto, Motorrad und Fahrrad in die umliegenden Ortschaften, um das Landvolk aufzuklären. Geradezu Schaudergeschichten erzählte man den Bauern und Bäuerinnen. Unter anderem wurde vielfach gelogen, daß das Kirchengehen abkomme, daß in den Kirchen nicht mehr geläutet werden dürfe und anderer Unsinn mehr. Mit allen Mitteln der Verlogenheit wurde gearbeitet, um das Volk an Schuschnigg zu ketten. Kein Mittel war zu schlecht, um nicht angewendet zu werden und werden jetzt noch im Geheimen angewendet. Unsere stramme SA wird aber dafür sorgen, daß die Wahrheit bekannt wird. Am 10. April soll jeder Wähler genau unterrichtet sein, damit er mit voller ehrlicher Überzeugung seine Stimme für unseren Führer Adolf Hitler abgeben kann. Auch die neuen Bürgermeister werden Sorge tragen, daß die Wahrheit siege und die Falschheit und Verleumdung unterliege und in die gebührenden Schranken gewiesen werden.

Verschiedenes. Die jüdischen Firmen Löwy, Reich und J. Schwarz wurden unter arischer Leitung gestellt. – Unsere stramme SS erhielt bereits schmucke Uniformen, welchen den schlanken jungen Männern vorzüglich passen. Die Sammlungen in den einzelnen Ortschaften werden planmäßig durchgeführt und fließen die Spenden der diensthabenden SA und SS zu. Pg. Herr Oberlehrer Bründl, ein geborener Gmünder, ist unermüdlich tätig, die Bevölkerung aufzuklären und hält massenhaft besuchte Versammlungen ab. Er wurde von dem früheren Regime mit Haß und Maßregelung verfolgt. Als Dietwart des Deutschen Turnvereines Gmünd ist er allen in bester Erinnerung, da er ein vorzüglicher, mit großem Wissen ausgestatteter Redner ist. Pg. Walter Weiner, welcher ebenfalls ein strammer Turner war, ist in Wien NSBO-Leiter seiner Firma, welche seit Jahren die größte Reklame(Lichtreklame)-Firma Wiens ist. Der einzige arische Rechtsanwalt in Gmünd ist Pg. Dr. E. Wais, in dessen Kanzlei auch Pg. Dr. Schrattel, dessen schneidigen Reden den Gerichtssaalbesuchern bekannt sind. – Der nächste Jahrmarkt findet am 12. April in Gmünd 2 (Neustadt) statt und wird hoffentlich von vielen arischen Marktfieranten und Käufern besucht. Es ist ja die Osterwoche. Das städtische Museum ist wieder jeden Sonn- und Feiertag geöffnet und versäume keiner den Besuch desselben. Er wird dadurch unsere deutsche Stadt besser kennen lernen. – Unsere strammen SA- und SS-Männer und die Hitlerjugend, zu der ein großer Zulauf herrscht, veranstaltete am 24.d. abends einen großen Propagandazug durch die Stadt. Die Beteiligung bewies wieder glänzend, daß die neue Zeit in Gmünd verstanden und freudig begrüßt wird.

Für Kinofreunde können wir die erfreuliche Mitteilung machen, daß die Direktion des Apollokinos in Gmünd 2 mit den großen deutschen Filmgesellschaften abgeschlossen hat und in Kürze große deutsche Filme bringen wird, was gewiß von allen Kinobesuchern freudigst begrüßt werden wird. Das Kino ist ja auch ein Unternehmen, welches nicht nur der Unterhaltung, sondern auch der Belehrung dienen soll.

Verschiedenes. Der neue Gemeindeverwalter der Stadt Gmünd, Oberlehrer Pany, wird täglich von halb 10 bis 11 Uhr vorm. in der Gemeindekanzlei zu sprechen sein. Für die Neustadt bleiben folgende Fürsorgeräte: Dachdeckermeister Speichler, Glasermeister Boigner und Textilarbeiter Weißenböck. Zum Kommissär für die Fürsorge wurde Herr Josef Strobl bestellt. Der frühere Obmann der Fürsorge bekleidet deshalb keine Funktion mehr in diesem Amte. Die Straßenaufsicht führt Herr B.B-Pensionist Fegerl. Die Aufsicht über die hiesige Holzwarenfabrik hat Herr Buchhalter Fegerl übernommen. Die Fürsorge für die Frauen und Kinder haben die beiden Frauen Birgfellner und Frau Ing. Leyrer übernommen. Auch Frau Speil, Riedl usw. stellten sich bereitwilligst in den Dienst der großen Sache.

Frecher Diebstahl am hellichten Tage. Dem Gastwirt Neuwirth in …

Jeder Deutsche lese die „Land-Zeitung“. Sie hat auch in der schweren Zeit stets stramm deutsch geschrieben und wurde streng verfolgt und empfindlich bestraft. Man erinnere sich nur an die hohe Strafe …

Das Deutschland- und das schöne Horst-Wessellied bekommt man um je 4 Groschen bei der Buchhandlung Berger in Gmünd. Das Lied wird nun auch in den Schulen eifrig gepflegt. Ein Lehrer sagte uns, daß er wieder mit Freude in die Schule gehe, daß man wieder auflebe nach jahrelanger Knechtschaft. Er sagte, jetzt freue ihn wieder das Unterrichten. Gewiß, der Lehrstand hat unter der Knute arg gelitten und jede freie Regung wurde streng und ungerecht bestraft. Man wollte wieder den Lehrer zum Büttel herunterdrücken. Gottlob ist dies nun auch endgültig vorüber. Selbst Geistliche grüßen mit Freude den Hitlergruß; solche Priester wird man stets in Ehren halten, denn sie sind Volkslehrer und Berater und mißbrauchen nicht die Religion zur Politik. Deutsche Priester wird man stets ehren! Wir wollen unsere Jugend zu ehrlichen, aufrechten Menschen erziehen, nicht zu Heuchlern und scheinheiligen Kreaturen. Der Führer will Tatchristen von tiefer wahrer Religiosität.

Apollotonkino Gmünd 2. Mittwoch, den 30.d. „Das Herz der Welt“ (Lloyds in London), mit Tyrone Power, Madeleine Carrol, Freddie Bartholomeo, ein gigantischer Film, in dem die Geschichte des größten Spiel- und Weltkonzerns erzählt wird. Samstag, den 2. April und Sonntag, den 3. April er große Ausstattungsfilm der Ufa „Gasparone“, nach der berühmten Operette von Millöcker, mit Marika Rökk und Leo Slezak.

Nun sind auch in Gmünd alle jüdischen Geschäfte durch Anbringen von großen Zetteln mit der Aufschrift „Jüdisches Geschäft“ erkenntlich gemacht. Alle werden dadurch ihre Kunden verlieren, denn die Parole heißt: „Kauft nur bei Ariern!“ Wie wir hören, wollen manche Juden Gmünd verlassen. Nur wissen sie nicht, wohin. Auch die jüdischen Kaufhäuser in den Städten der Umgebung, z.B. in Schrems, Weitra, Litschau u.a. tragen ähnliche Kennzeichnungen. Die Bäcker drüben klagen schon, daß ihnen jetzt das Brot übrig bleibt, das früher Staatsangestellte und Pensionisten herüber trugen.

Hakenkreuze. Man sieht jetzt bereits keinen Menschen, der nicht das Hakenkreuz an der Brust trägt. Die ersten bekam man beim hiesigen Uhrmacher Hans Temper in Gmünd 2, als sich noch manche nicht getrauten, das deutsche Hoheitsabzeichen zu tragen. (Gleich nach der Rede des Dr. Jury). Herr Temper war bald ausverkauft, obwohl er einige tausend Stück hatte. Das parteiämtliche Abzeichen war zu dieser Zeit noch verboten, wurde aber doch von manchem hervorgesucht und aufgesteckt. Bald ergriffen Arbeitslose die Gelegenheit, einige Groschen zu verdienen und schnitten das Abzeichen aus Weißblech, Kupferblech etc. aus und boten es zum Kaufe an. Niemand wies sie ab. Aber auch die Spengler und andere Geschäfte erzeugten Hakenkreuzabzeichen, sodaß bald der Bedarf gedeckt war. Die Fa. Baumann arbeitete schon wochenlang an der Erzeugung von Hakenkreuzfahnen, war aber bald ausverkauft. Frauen und Mädchen stellten sich in den Dienst und nähten fleißig die Hoheitszeichen an den Fahnenstoff. Die rot-weiß-roten Fahnen wurden bald in schwarzweißrote verwandelt, denn der rote Fahnenstoff war nirgends zu haben. Die Färberei kam mit dem Färben nicht nach. Frau Ing. Leyrer nimmt als Leiterin die Einschreibungen vor und die deutschen Frauen eilen herbei, um der hehren Idee dienen zu können.

An das Deutschtum, heißt ein prachtvolles Gedicht unserer bekannten Heimatdichterin Christl Schraufek-Troeger, welches die Dichterin in Form einer mit Hakenkreuz gezierten Postkarte im Selbstverlage herausgibt. Jeder Waldviertler, welcher Freunde in der Fremde hat, wird mit Freude diese Karte benützen, da die Verse von wahrer Heimatliebe und Treue zum Volke glühen.

In der ernsten Zeit fehlt es nicht an Witzbolden. So las man unlängst nahe der Grenze folgendes Verslein: Fuchs, du hast das Land gestohlen, gib es wieder her, sonst wird dich der Hitler holen, mit seinem braunen Heer. Manche Deutsche von drüben bleiben den ganzen Tag bei uns, sie fühlen sich jetzt hier wohl und hoffen sehnsuchtsvoll, daß auch ihnen die Erlösung naht. Es hat sich eben jetzt wieder glänzend bewiesen, daß Gewalt und Brutalität ein Ende nehmen muß.

Zum Stadtverwalter wurde Herr Oberlehrer i.R. Karl Pany ernannt. Herr Pany war schon einmal Bürgermeister und wurde bei der Auflösung der NSDAP seines Amtes enthoben. Die meisten Wähler in Gmünd bedauerten szt. die Abdankung des strammen Mannes und sind erfreut, ihn nun wieder an der Spitze der Gemeinde zu sehen.

Ausgabe einer Sonderbriefmarke zu 6 Rpf. aus Anlaß der Volksabstimmung am 10. April 1938.

Stadttonkino. Heute, Mittwoch, den 30.d. „Silhouetten“, ein schöner Wiener Film…


Über die Firma Löwy und Sohn erfährt man bei Polleroß (Die Erinnerung tut zu weh, S.43): „Die Lebensmittelhandlung E. Löwy & Sohn wurde bis zur ‚Arisierung‘ im Jahre 1938 von den Brüdern Hermann und Karl Löwy geführt und beschäftigte ungefähr zwanzig Mitarbeiter. Hermann flüchtete mit seiner Gattin in die USA, Karl konnte über England nach Palästina auswandern, während seine Frau Magda, eine gebürtige Ungarin, in ihrer Heimat als U-Boot überlebte. Die beiden Eigentümer kehrten 1946/47 nach Gmünd zurück und führten das Unternehmen bis zur Pensionierung im Jahre 1975 weiter.“

Eine Firma Reich aus Gmünd wird unter den Waldviertler Leder- und Fellhändlern aufgezählt. (Polleroß, S.114)

Viel mehr erfährt man über die Firma Schwarz. Polleroß kann sich auf einen Bericht von Franz Chaloupek, den späteren langjährigen Bürgermeister von Gmünd stützen, der als junger Mann in dieser Firma angestellt war und den Raub der Eigentümer selbst miterleben musste. Fotos des Ladens am Gmünder Stadtplatz sind im Buch abgedruckt. Über das Schicksal der Familie Schwarz: „Während der 18jährige Sohn des Geschäftsinhabers, Otto Schwarz, noch im Jahr 1938 nach Shanghai flüchten konnte, heiratete die Tochter Anni, Jahrgang 1915, damals den jüdischen Arzt Dr. Finale(*). Das Ehepaar flüchtete nach Frankreich, wurde jedoch nach der Invasion von der SS in Grenoble aufgegriffen und erschossen. Ihre zwei Kinder wurden von französischen Widerstandskämpfern in ein Kloster nach Spanien gebracht. Friedrich Schwarz und seine Gattin Irma wohnten bis 1944 in einem Haus in der Praterstraße in Wien, wurden nach Minsk deportiert und kamen dort ums Leben.“ (Polleroß, S.32)

(*) "Dr. Finale" muss richtig heißen "Dr. Finaly"! Die beiden Kinder von Fritz und Anni Finaly, Robert und Gerald, konnten nach dem Krieg nur schwer wieder dem katholischen Internat entrissen werden und zu nahen Verwandten kommen. Die Geschichte unter dem Namen "Finaly Affäre" erregte in Frankreich einige Aufmerksamkeit. Sogar ein Spiegel-Artikel erschien 1953 dazu! Die Universität Wien hat Dr. Finaly in ihr Gedenkbuch aufgenommen, dort findet man auch ein Foto von ihm zusammen mit seiner Frau. Beide kamen in Ausschwitz ums Leben und wurden nicht, wie Polleroß meint erschossen.

In der vorigen Ausabe der Land-Zeitung wurde von der vorübergehnenden Festnahme eine Sohnes von Josef Schwarz wegen kritischer Äusserungen gegen die neuen Machthaber berichtet. Es ist nicht ganz klar, ob damit etwa Friedrich Schwarz gemeint war. Die Firmenbezeichnung war jedenfalls "J. Schwarz und Sohn".


Land-Zeitung, 23. März 1938: Amtsenthebungen, Festnahmen, Feste, Beförderungen, Luis Trenker

Januar 17th, 2012

Am 23. März 1938 heißt die Zeitung nur noch „Land-Zeitung“, das „Niederösterreichische“ wurde schon aus dem Namen getilgt. Auf Seite 9 ist der Aufruf des Gauleiters Bürckels groß angebracht, in dem er ein „überwältigendes Ja“ zum Anschluss an Deutschland bei der Volksabstimmung am 10. April fordert. Darunter befinden sich folgende Lokalmeldungen:


Gmünd.
Die neue Zeit. Bürgermeister Henebichler wurde seines Amtes enthoben. Auch der Obmann des Fürsorgerates mußte seine Funktion zurücklegen. Am 14. d. wurde wieder eine Winterhilfe verteilt. Am 15. d. erhielt jeder arme Arbeitslose ein Kilogramm Schweinefleisch unentgeltlich. Von allen Gebäuden wehen die Hakenkreuzfahnen. Am 14. d. fand eine Kundgebung mit Fackelzug statt. Noch nie hat Gmünd eine solche Riesenmenge von Menschen gesehen. Drei Musikkapellen spielten. Die Fenster waren beleuchtet und man sah viele Hitlerbilder und Büsten. Gmünd zeigte wieder, daß es eine deutsche Stadt ist.

Ein freudiges Ereignis. Dieser Tage kehrte der Storch beim hiesigen Zahntechniker Herrn Sepp Schälß in Gmünd 2 ein und brachte einen kräftigen Jungen. Herr Schälß ist hier einer der treuesten, stramsten (so!) Nationalsozialisten. Wie bekannt wurde er vom früheren Regime verfolgt, sein Geschäft gesperrt, wurde zu einer Kerkerstrafe von einem Jahr verurteilt und erlangte nur durch die Amnestie wieder die Freiheit. Es ist ihm eine doppelte Freude, daß sein Sprößling gerade während der größten Zeit geboren wurde. Wir beglückwünschen unseren lieben Gesinnungsgenossen und seine junge Frau zum ‚Thronfolger‘. Mutter und Kind fühlen sich wohl! Heil Schälß!

Grenzsperre. Am Samstag, den 12. D. wurde die Grenze gegen Tschechien gesperrt. Der Erfolg war für die Gmünder Bäcker ein überraschender. Am Sonntag war in Gmünd kein Laib Brot zu haben und die Bäcker mußten am Sonntag backen. Sie haben seit langer Zeit nicht so viel Brot verkauft als jetzt. Der Grund war, daß die Leute kein Brot von Tschechien herübertragen konnten.

Deutsche Sportvereinigung. Die Hauptversammlung des Vereines findet Montag, den 28. d. im Gasthause Ludwig Fegerl, Gmünd 1, statt. Beginn 7 Uhr. Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, zu dieser wichtigen Versammlung unbedingt zu erscheinen.

Mit besonderer Freude wurde in Gmünd die Nachricht aufgenommen, daß Herr Hofrat Dr. Hans Vogel jetzt die Leitung des Präsidiums der n.ö. Landesregierung übernommen hat. Herr Hofrat Dr. Vogel war gerade zur Besetzungszeit Bezirkshauptmann in Gmünd und ist allen Personen in bester Erinnerung, da er sich stets als deutschgesinnt und sehr human bekannte und seine Gerechtigkeit besondere Anerkennung verdient. Die Gmünder werden seiner in Ehren und Dankbarkeit gedenken.

Eingesperrt wurde der hiesige Sohn des Josef Schwarz, da er sich in nicht wiederzugebender Weise über die jetzige Bewegung ausdrückte. Auch andere ‚Standespersonen‘ wurden in Schutzhaft genommen, einige aber nach kurzer Zeit wieder entlassen. Bei dem früheren Regime hätten sie nichts zu lachen gehabt, wenn sie sich so verhalten hätten. Frau Birgfellner (Riehl) welche wegen nat.-soz. Betätigung seinerzeit als Postbeamtin entlassen wurde, wurde wieder beim Postamte Gmünd 2 eingestellt. Wie überall, wurde die Gemeinde, Sparkasse, Fürsorge usw. von den Nationalsozialisten übernommen und die früheren Amtswalter enthoben. Überall aber ging man äußerst human vor. Unsere früheren SS- und SA-Männer waren sofort zur Stelle und versehen ihren Dienst. Von Deutschland sind SS-Männer nach Gmünd per Auto gekommen, welche in ihren schmucken Uniformen Aufsehen erregen. Auch die jüdischen Rechtsanwälte stehen unter Aufsicht. Auch die jüdischen Ärzte erhielten eine Aufschrift, damit Fremde sie als Juden erkennen. Auch die Kanzleien der Juden Friedmann und Pollak stehen unter Aufsicht. Doktor Glaser ist bereits von Gmünd abgefahren. Der frühere Heimatschützer Dr. Michl wurde zu drei Monat Haft verurteilt, da er sich in unanständiger Weise gegen die Bewegung aussprach.

Von der Bezirksgewerbestelle Gmünd. Zum kommissarischen Obmann der Bezirksgewerbestelle Gmünd wurde Pg. Ing. Anton Leyrer bestellt, der täglich zwecks Auskünfte im Sekretariat in Gmünd anwesend sein wird (9 bis 10 Uhr). Die Kanzleistunden des Sekretariates sind unverändert geblieben. Täglich von 8 bis 12, und 1 bis 5 Uhr und werden in dieser Zeit Auskünfte erteilt und die normalen Amtsgeschäfte erledigt. Die Geschäfte der Zünfte werden von kommissarisch bestellten Sachwalter weitergeleitet. Der bisherige Bezirksgewerbesekretär Pg. SA-Scharführer Dr. Walter Fuchs wurde nach Wien abberufen. Zum neuen Bezirksgewerbesekretär wurde Pg. Diplomkaufmann Hermann Bradler bestellt und hat derselbe seine Amtsgeschäfte bereits angetreten. Bei einer Besprechung der kommissarisch bestellten Sachwalter dankte Pg. Ing. Leyrer Pg. Dr. Fuchs für seine Tätigkeit für das deutsche Handwerk des Grenzbezirkes, welche Tätigkeit trotz schärfsten Druckes immer im nationalen Sinne entfaltete. Insbesondere aber dankte er ihm für die unermüdliche Tätigkeit für die Bewegung durch die ganze Verbotszeit.

Gesundung. Der hiesige Gastwirt…

Stadtkino. Heute, Mittwoch 23. d., 3 Uhr, die lustige Filmkomödie ‚Spiel an Bord‘. Sonntag, den 27. d., halb 3, 5 und 8 Uhr, und Montag, den 28. d., 8 Uhr Luis Trenkers gewaltigste Filmschöpfung ‚Der Berg ruft‘. Der Film ist jugendfrei!


NÖ Land-Zeitung, 2. März 1938: Rückforderung der an die Tschechoslowakei gekommenen Gemeinden

Januar 15th, 2012

Im Lokalteil für Gmünd findet sich der Beitrag:


"Angst. Der 12. Feber, welcher die politisch hochwichtige Aussprache bzw. Übereinkommen der beiden Staatsmänner Dr. Schuschnigg und Hitler brachte, scheint manchen Grenzler von drüben in die Glieder gefahren zu sein. Allerlei Gerüchte von der Rückgabe der uns von den Tschechen genommenen Gebiete (12 Gemeinden) durcheilen unsere Stadt. Gewiß ist aber das eine sicher: Eine Grenzrevision ist für uns notwendig; die deutsche Bevölkerung, welche seinerzeit vertrieben wurde, verlangt diese. Hoffentlich kommt es auch in absehbarer Zeit zu einem gerechten Ausgleich in dieser Hinsicht. Die Ungerechtigkeiten müssen aus der Welt verschwinden und dazu gehört auch unsere Grenzfrage. Daß die 'Demokraten' drüben verschnupft sind, ist ja nach den letzten Ereignissen begreiflich. Sie werden sich aber mit der gegebenen Tatsache abfinden müssen und damit zu rechnen haben. Was deutsch war, soll wieder deutsch werden, das ist eine gerechte Forderung aller, die die Gerechtigkeit lieben. Die Zeit wird auch darüber Klarheit bringen. Eine neue Zeit ist angebrochen! Ein Vertriebener."


NÖ Land-Zeitung, 16. Februar 1938: Amnestie für Illegale NSler

Januar 15th, 2012

Die Zeitung titelt mit "Schuschnigg bei Hitler. Ein Besuch auf dem Obersalzberg."

Im Lokalteil für Gmünd findet sich die interessante Kurzmeldung:


"Amnestie. Auch für Gmünd wirkte sich die letzterlassene Amnestie aus. Einige Gmünder, welche wegen illegaler Betätigung in Haft waren, wurden aus derselben wieder entlassen. Sie waren zu drei Monaten Anhalt verurteilt."